Trainingslager Andalusien Januar/Februar 2015

Weder Malle, noch die Kanaren sollten Ziel für das winterliche Grundlagentraining sein, nein, die Flucht vor dem bayrischen Winter führte nach Almeria im südöstlichen Andalusien.  Der Reiseführer spricht von der einzigen Wüste Westeuropas im Hinterland von Almerias. Na, dann sollte eigentlich trockenes Wetter kein Problem sein.

Städtebau in Almeria
Städtebau in Almeria

Um beim Wetter zu bleiben, das die Erwartungen im großen und ganzen erfüllt hat. In 8 Wochen wurden im Kalender zwei Regentage vermerkt. Mehr Probleme bereitete der Wind, drei Mal musste ich nach ein paar Kilometern wieder umkehren, einmal machte ein orkanartiger Sturm aus dem geplanten Strandlauf eine gefühlte Wüstendurchquerung im Sandsturm. Alles in allem aber um Längen besser als Malle oder die Kanaren, dort hatte man mit Schnee, Regen und Wind, Wind, Wind…zu kämpfen.

Erste Disziplin, das Schwimmen: Auf das Meer hatte ich keine große Lust, bei 16 Grad Wassertemperatur durchaus verständlich. Zu groß war die Verlockung der 8 abgetrennten Kurzbahnen im „ego“-Sportcenter in Almeria. Der Spaß kostet 30 Euro im Monat, Flatrate-Tarif, sprich schwimmen, saunen und duschen so oft und so lange man möchte, Öffnungszeiten 7-23 Uhr. Ein Großteil des Schwimmtrainings bestritt ich alleine auf einer Bahn, mehr als zwei Schwimmer waren wir nie. Dafür eine glatte Note 1, oder vielleicht doch eine 1 minus, das Wasser war 27 Grad heiß, der Spanier hat es halt doch gerne warm.

Auf dem Collado Garcia
Auf dem Collado Garcia

Dann, rauf aufs Radl. Gut, man musste immer aus der Stadt raus, kein Problem, nach 3 km, und 17 Ampeln (!!) war man auf der Küstenstraße. Oder in die andere Richtung nach knapp 2 km auf der Route in die Berge. Für das flache, schnellere Training ist das „Cabo de Gata“, ein Nationalpark nördlich von Almeria, ein Paradies. Kleine Straßen, wenig Verkehr und flach mit den üblichen Wellen. Klar, Meer bedeutet Wind, ist eben einfach so. Im Nordwesten geht es dann sehr schnell die Berge hoch. Die Anstiege fallen durchaus lang aus, auf den Collado Garcia (1247 Meter) fährt man effektiv 52 km nach oben. Anstiege von kaum spürbar bis 10% unmittelbar vor der Passhöhe. Traumhafte Routen führen durch die Alpujarras oder die Sierra Gador. Es geht schon mal 10-12 km den Berg hoch, durchschnittlich aber nur mit Anstiegen von 5-8%. Und am Schluss eben immer runter nach Almeria…Noch ein Wort zu den Autofahrern, gemessen an den Kfz-Rambos aus München sitzen in Andalusien die Schlaftabletten am Steuer. Defensiver Fahrstil vom Feinsten! Außerdem lässt sich zumindest zum Teil die Frage beantworten, warum auch Spanien mehr oder weniger Pleite ist: Üppig Kohle wurde in den Straßenbau verpulvert, und dazu gehört auch das Aufstellen von unzähligen, sinnlosen Ampeln.  Im Klartext, die Straßen können besser nicht sein, dagegen genügt bereits eine Ansiedlung mit drei Häusern um eine Verkehrsampel zu rechtfertigen.

Halbmarathon Almeria
Halbmarathon Almeria

Zum Schluss noch auf die Laufstrecke. Flach gelaufen wird an der Strandpromenade, nach 7 km dreht man entweder wieder um, oder läuft noch ein paar Kilometer an der Küstenstraße weiter Richtung Flughafen. Am anderen Ende der Stadt, gleich hinter den „Favelas“, führt eine Piste die Sierra Gador hoch. Ich bin maximal ein Stunde hoch gelaufen, da hätte man aber weiter, und weiter, und weiter nach oben traben können. Keine Läufer unterwegs, nur Mountain-Biker, die mit Schmackes die Piste runtersausen – keine Rambos, alles sehr manierlich.

Sierra Nevada
Sierra Nevada

Wie sieht es mit Wettkämpfen aus? Sehr gut, muss man sagen. Im Januar findet in Alicun (25 km von Almeria entfernt) ein knochenharter Bergcross über ca. 11 km statt, dann ein 10 km Lauf gleich beim Flughafen, auch da geht es ordentlich ins Gelände und durch tiefen Sand am Strand. Anfang Februar findet der Halbmarathon in Almeria statt, Ende Februar noch der internationale Marathon in Sevilla.

Durst!
Durst!

Fazit: Mit das beste, was ich bislang im Winter gemacht habe. Klar, das Wetter lässt sich nicht bestellen, weiß man aber vorher. Abgesehen davon ideale Trainingsbedingungen!!

Ironman Wales in Tenby

„Well, you won´t beat your personal best, but you will be in the most legendary Ironman throughout Europe“.

Well, nach 2012 machte ich mich zum zweiten Mal auf den langen Weg an den südwestlichen Zipfel von Wales. Auch wenn erst zum vierten Male ausgetragen, es ruft das „legendärste Rennen in Europa“. Was hat es damit auf sich? Einmal lockt die traumhafte Landschaft, die Radstrecke folgt den Klippen, den Dünen und dem endlos grünen, durchaus ruppigen Hinterland. Und dann sind es die „people“ und die „crowd“. Ganz Tenby und die Nachbarorte wie Pembroke oder Saundersfoot sind wirklich „crazy about the ironman“, diese Leute lieben ihren Ironman Wales. Und der race-day ist Feiertag, die Pubs öffnen um 6 Uhr morgens, die Waliser brüllen sich die Seele aus dem Leib. Am „heartbreak-hill“ in Saundersfoot herrscht L’Alpe d’Huez-Atmosphäre. Auch im kleinsten Dorf an der Radstrecke gibt es „great support“.

Zudem haben sich die Waliser was Besonderes einfallen lassen, die schwerste Ironman Strecke auf der Tour, die Siegerzeiten sind knapp 30 Minuten langsamer als auf Lanzarote!

Race-day und der Wetterbericht, der einen traumhaften, milden Herbsttag und eine steife Brise aus dem Osten verspricht. So waren zum Schwimmstart nicht wenige age-groupers bereits grün im Gesicht, kein Wunder bei bis zu einen Meter hohen Wellen. Gerade mal sieben Athleten kamen unter einer Stunde aus dem Meer, bei nicht wenigen Startern wurde bereits ein DNF notiert. Ich profitierte von meinem dreimonatigen Freiwasser-Schwimmen auf Zypern und hatte großen Spaß bei 3,8 km auf und ab im Atlantik.

Insider wissen das bereits, nach dem Schwimmen folgt in Tenby die vierte Disziplin, der 1.000 Meter Berglauf zum Radpark am anderen Ende des Ortes. Raus aus dem Wasser, die Treppen hoch an die Promenade, dann weiter durch Tenby, am höchsten Punkt warten dann die Radln´. Was mir als Läufer entgegenkommt, locker 30 Plätze gutgemacht.

Aus radsportlicher Sicht würde ich die Radstrecke einfach als gemein bezeichnen, auch wenn auf dem Papier „nur“ 1.700 Höhenmeter vermerkt sind. Die erste große Schleife entlang der Küste und den Dünen verläuft weitestgehend flach. Erst dann geht es ins Hügelland, die Straßen werden enger, Flachstücke sind Fehlanzeige, dafür hat man die 16% von Wiseman´s Bridge zwei Mal im Programm. Der „heartbreak hill“ in Saundersfoot verspricht nur 12% Anstieg, dafür aber auf 2 km Länge, auch da klettert man zwei Mal hoch. Die schnellsten steigen dann nach ca. 5:30 h vom Rad. Auf meinem 6:21 h langen Radsausflug durfte ich 700 Mitradler überholen und war vor dem Laufen schon auf Platz 392.

Tenby wäre nicht Tenby, wäre da nicht der Marathonlauf. Es geht ans Eingemachte. Vom Radpark erstmal ganz runter, um einfach die 3 km hoch nach New Hedges zu laufen. Zurück nach Tenby, hauptsächlich runter, ganz runter zum Hafen und wieder ganz hoch durch den Ort. Und wenn du dann zum vierten und letzten Mal hoch nach New Hedges läufst, dann fragst du dich „WHY?“. In Tenby selber läuft man auf jeder Runde eine Arte Reißverschluss-Kurs faktisch durch jede Straße, und hier ist sie, die „crowd“. Die Stimmung aus den Pubs wabert auf die Straße, das Volk ist „extremely loud“. Das bringt Adrenalin für die nächste Runde. Als ich bis etwa 500 Meter vor der Finish-Line weitere 204 Läufer überholt hatte, gönnte ich mir erstmal einen kräftigen Schluck Lager, ein Dank an den Spender am Straßenrand. Den roten Teppich erreichte ich als 188. der Gesamtwertung, 49 Sekunden vor Heike Funk – weder verwandt noch verschwägert.